Vorstellung des Fahrrad-Entscheids Köln

 

Unser Logo: ein stilisiertes Fahrrad mit den Domspitzen im Rahmen

Pressemitteilung 25. Oktober 2023

Nachtrag zu Pressekonferenz vom 25. Oktober

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für ihre rege Teilnahme an unserer ersten Pressekonferenz heute.

Die vier Pressesprechenden des Fahrrad-Entscheids Köln – Natalie Horn, Nina Bönninghaus, Joost Zickler und Lukas Giesbert – stellten dabei den Fahrrad-Entscheid vor sowie seine Forderung, die Beweggründe und Motivationen.

Der Fahrrad-Entscheid Köln ist eine Bürger*innen-Initiative, die sich Anfang des Jahres in Köln gegründet hat. Ihr Ziel: der beschleunigte Ausbau und Umbau der Kölner Radwege in einer fahrradfreundlichen und sicheren Weise. Dazu haben sich mittlerweile an die 80 Menschen zusammengetan, denen es zunehmend schwerer fiel, zu akzeptieren, in welch einem schlechten Zustand sich die Fahrradwege und -spuren in Köln befinden. Dies will der Fahrrad-Entscheid mit einem Bürgerbegehren ändern. Das ist nach der Gemeindeordnung NRW eine Möglichkeit, ein Anliegen direkt in den Stadtrat zu bringen. Sollte dieser die Forderung ablehnen, stimmen alle wahlberechtigten Kölnerinnen und Kölner im nächsten Schritt in einem Bürgerentscheid über die Forderung ab. Dafür fängt der Fahrrad-Entscheid Köln Anfang nächsten Jahres an Unterschriften zu sammeln. Ziel ist es, dass mehr als 30.000 Menschen seine Forderung unterschreiben.

Die Forderung des Fahrrad-Entscheides lautet im Wortlaut:

Sind Sie dafür, dass die Stadt Köln folgende Maßnahmen für den beschleunigten Ausbau des beschlossenen Radverkehrshauptnetzes bis 2030 umsetzt?

1. Jährlich werden auf 40 km Straßen des Gelben Netzes (Kfz-Hauptverkehrsstraßen)
Radwege gebaut oder umgebaut.

Die Radwege sollen in beide Richtungen mindestens 2,5 m breit sein, vom Kfz-
Verkehr baulich getrennt sein und an Kreuzungen nicht von freilaufenden Kfz-
Rechtsabbiegerspuren gekreuzt werden.

2. Jährlich werden 30 km Straßen des Grünen Netzes (Straßen mit geringerer Kfz-
Belastung) zu Fahrradstraßen.

3. Die Stadt begründet jährlich in einem Bericht ihr Vorgehen bei der Umsetzung.

Die Notwendigkeit für bessere Radwege hat auch die Stadt Köln schon erkannt. Deswegen haben die neun Bezirksvertretungen für ihre Veedel jeweils ein Radverkehrsnetz entwickelt. Diese bilden zusammen das „Radverkehrshauptnetz“ für ganz Köln. Es soll irgendwann flüssigen und sicheren Fahrradverkehr ermöglichen, ist bisher allerdings nur teilweise umgesetzt.

Hauptstraßen, an denen vom Autoverkehr getrennte Radwege entstehen sollen, bilden das „gelbe Netz“ (etwa 500 km lang). Solche getrennten Radwege sind gut für alle: Radfahrende, Passant*innen und Autofahrende müssen weniger Angst vor Zusammenstößen haben.

Die weiteren Straßen (vor allem Nebenstraßen) des Radverkehrshauptnetzes bilden das „grüne Netz“ (etwa 1.300 km lang). Dort können  Fahrradstraßen für ein gutes Miteinander der Verkehrsteilnehmenden sorgen.

Einen Teil des Radverkehrshauptnetzes gibt es schon, etwa auf den Ringen. Das bedeutet aber nicht, dass der Rest auch gebaut wird, denn das Konzept hat leider einen Haken: es handelt sich nur um ein Zielkonzept. Das heißt, das Radverkehrshauptnetz regelt nicht, wann die Fahrradwege gebaut werden sollen und auch nicht konkret wie, es ist lediglich bei Planungen „zu berücksichtigen“. Deswegen wollen wir mit diesem Begehren sicherstellen, dass die Stadt das Netz so schnell wie möglich vollendet. Um Transparenz zu schaffen, soll die Stadt Köln jährlich über ihre Fortschritte informieren und ihr Vorgehen begründen.

Die Presseprechenden des Fahrrad-Entscheids Köln. Vlnr: Joost Zickler, Natalie Horn, Nina Bönninghaus, Lukas Giesbert
Die Presseprechenden des Fahrrad-Entscheids Köln. Vlnr: Joost Zickler, Natalie Horn, Nina Bönninghaus, Lukas Giesbert

Doch warum braucht es einen Fahrrad-Entscheid?

Köln ist nach dem Krieg nach der damaligen Mode als „autogerechte Stadt“ neuerrichtet worden. Dabei wurde dem motorisierten Individualverkehr die oberste Priorität eingeräumt. Heute weiß man, dass das ein Fehler war. So gibt es viele Gründe, bei der Verkehrsplanung auch den Radverkehr zu priorisieren. Einer davon ist die hohe Belastung durch Feinstaub und Stickoxide in der Luft, u.a. durch Verbrennungsmotoren. Noch im Jahr 2020 gab es – trotz Corona und Lockdown – 28.900 frühzeitige Todesfälle in Deutschland im Zusammenhang mit Stickoxidbelastung laut der EU-Umweltagentur. Auch stellt die Art, wie die Straßen in Köln geführt werden – insbesondere die sog. freilaufenden Kfz-Rechtsabbieger – für die Sicherheit des Fahrrad- und Fußverkehrs eine erhebliche Bedrohung dar. Allein 2022 gab es in Köln 2.081 Radunfälle, darunter sogar 5 Todesfälle.

Daneben ist der Platzverbrauch für die vielen Straßen und Parkplätze in Köln enorm. Ganze 16,3 % der Kölner Stadtfläche werden vom Verkehr eingenommen. Auch Lärm ist eine große Problematik in Köln. Hier müssen tagsüber mehr als 300.000 Menschen einen erheblich störenden Lärmpegel von mehr als 55 dB ertragen. Davon sind mehr als 100.000 Menschen Lärm in einem gesundheitsgefährdenden Maß ausgesetzt. Doch nicht nur die hohen Schallemissionen des Verkehrssektor sind ein großes Problem: nicht zuletzt stellt uns auch der große Anteil an Emissionen von Treibhausgasen in diesem Bereich vor eine existentielle Herausforderung. Das sieht auch die Stadt Köln so, die beschlossen hat, bis 2035 Klimaneutral zu werden. Fest steht: Ohne den Radverkehr wird das nicht gehen!

Glücklicherweise steigt in Köln die Zahl der Fahrradfahrenden immer weiter an. Wo im Jahr 2017 noch 19 % aller Wege mit dem Rad zurückgelegt wurden, waren es letztes Jahr laut der Stadt Köln schon 25 %! Und das hat Gründe: in der Innenstadt wurden schon die Hälfte der Maßnahmen des Radverkehrshauptnetz umgesetzt. Das merkt man auch, zum Beispiel durch den breiten Fahrradweg auf den Ringen. Dort geht das Engagement durch die Wurzeln der Initiative „Ring frei“ aus dem Jahr 2015 bereits in die 90er-Jahre zurück. Die Stadt Köln legte hier mit ihren Maßnahmen „Köln mobil 2025“ und dem „Radverkehrskonzept Innenstadt“ aus dem Jahr 2016 mehrfach Ziele für die Innenstadt fest, um den Anteil des Radverkehrs zu erhöhen.

In der Innenstadt kommt der Ausbau des Radverkehrshauptnetzes also gut voran, jedoch in den anderen Teilen von Köln nicht. Dabei könnten viele Verkehrsteilnehmenden von sicheren und gut ausgebauten Fahrradwegen profitieren. Auf der einen Seite gibt es die Menschen, die jetzt schon das Fahrrad nutzen, aber täglich einem Sicherheitsrisiko durch mangelnde Fahrradwege ausgesetzt sind. Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die in den äußeren Bezirken wohnen und gerne das Fahrrad nutzen würden, aber von den nicht durchgängigen Fahrradwegen verunsichert sind bzw. Angst davor haben sich die Fahrbahn mit den Autos teilen zu müssen. Dazu kommen die Kinder und Jugendlichen, die natürlich besonders im Straßenverkehr geschützt werden sollten und für die das Fahrrad als Verkehrsmittel viel Eigenständigkeit mit sich bringt.

Doch nicht nur die Fahrradfahrenden profitieren, auch die KVB würde dadurch entlastet werden, wenn mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen. Außerdem ist auch nicht zu unterschätzen, dass auch Autofahrer*innen Vorteile hätten, wenn Auto- und Fahrradverkehr getrennt voneinander geführt würden. Die meisten Unfälle, die Autos und Fahrräder involvieren passieren, beim Abbiegen, und zwar meistens, weil es für die Autofahrer sehr schwer ist die Fahrradfahrer rechtzeitig zu entdecken. Wenn der Radverkehr allerdings gut sichtbar über eine Fahrradspur auf der Straße fahren würde, dann wird dieses Risiko  drastisch minimiert. Weiterhin dürfen nicht die Vorteile für Fußgänger*innen vergessen werden. Auch für diese Gruppe bedeuten Fahrradwege auf der Straße mehr Sicherheit, denn bisher bestehen viele Fahrradwege in Köln aus einer kleinen Spur auf dem Gehweg. Für Eltern mit kleinen Kindern, älteren Menschen oder Menschen mit einer Behinderung ist es eine Katastrophe, wenn direkt neben ihnen Fahrräder mit 25 km/h vorbeifahren und sie rechtzeitig ausweichen müssen.

Beim Fahrradklima-Test des ADFCs 2022 landet Köln auf Platz 12 von 14 Städten in Deutschland mit mehr als 50.000 Einwohnern. Dies belegt einmal mehr, dass sich Menschen in Köln auf dem Fahrrad nicht sicher fühlen. Der Fahrradentscheid will genau das ändern, denn Fahrrad fahren soll Spaß machen in dieser Stadt. Sein Ziel: Das Fahrrad soll seinen eigenen Platz auch in Köln bekommen, sodass alle Menschen sicher an ihr Ziel kommen.

Mit dem Sammeln der 30.000 Unterschriften wird der Fahrrad-Entscheid voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres beginnen. Aktuell wartet der Fahrrad-Entscheid auf die Kostenschätzung der Stadt Köln. Denn jedes Begehren muss auf dem Unterschriftenzettel angeben, wieviel das Begehren kosten würde.In der Zwischenzeit – bis zum Beginn der Sammelphase – tritt der Fahrrad-Entscheid mit verschiedenen Events und Veranstaltungen an die Öffentlichkeit. Für den 18.11. ist eine karnevalistische Fahrradtour durch verschiedene Stadtteile in Köln geplant und am 03.11.  ein Fahrrad-Rave für neue Kölner Studierende. Auch für nächstes Jahr planen die Initiatoren vom Fahrrad-Entscheid Köln bereits einen Pop-up Radweg auf der Bergisch Gladbacher Straße. Dadurch wird auch jetzt schon das Thema Fahrradfahren und Radinfrastruktur in Köln vorangebracht.